Femizide – Wie halten wir Männer endlich vom Frauenmorden auf?!

Heute ist internationaler Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner ermordet. Wie halten wir diesen Horror für Frauen endlich auf? An der Sicherheit von Frauen und Mädchen darf nicht mehr gespart werden, kommentiert REVOLTE-Autor Jan Bühlbecker.

Wer aus dem Fenster schaut, sieht heute viel grau – tristes Novemberwetter.

Wer ins Netz schaut, sieht viel Orange – überfällige Solidarität im Kampf gegen Gewalt an Frauen.

Unter dem Motto “Orange the world” wird dazu aufgerufen, ein Zeichen gegen häusliche Gewalt zu setzen. Und Aufmerksamkeit für dieses Thema ist dringend nötig: Denn jeden Tag versucht ein Mann seine (Ex-)Partnerin zu töten, an jedem dritten Tag gelingt es ihm. Heißt: Über 100 Feminzide gibt es JEDES JAHR in Deutschland.

So viele Femizide wie seit 20 Jahren nicht!

Diese Zahlen gelten dabei “nur” für Deutschland. Weltweit ist es um die Sicherheit von Frauen und nicht-binären Personen noch schlimmer gestellt: So sind im vergangenen Jahr nach Uno-Angaben 89.000 Frauen und Mädchen weltweit getötet worden, so viele wie seit zwanzig Jahren nicht. Mehr als die Hälfte der Morde seien von Familienmitgliedern oder Partnern begangen worden.

Wen diese Zahlen nicht fassungslos, wütend und kämpferisch machen, der ist Teil des Problems! 

Feminismus, liebe Mit-Männer, ist Bürgerpflicht.

Doch bei Aufmerksamkeit für dieses Thema darf es natürlich nicht bleiben. Aus jeder heute geposteten orangenen Hand muss eine Handlung werden.

Aber wie?

Das Bundesfamilienministerium hat eine umfangreiche Studie durchgeführt, was gegen Gewalt an Frauen getan werden kann, um den Femizid-Horror in Deutschland ENDLICH zu beenden.

14.000 zusätzliche Plätze in Frauenhäusern nötig

Demnach gibt es derzeit bundesweit knapp 7800 Plätze für Frauen und Kinder in Frauenhäusern. Doch die Studie zeigt: Es braucht fast 5.000 zusätzliche Plätze in Frauenhäusern sowie weitere 6.000 Plätze für Kinder. Zudem braucht es mehr Beratungsstellen für Betroffene, denn auch die sind aktuell VÖLLIG überlastet.

Doch ob diese knapp 11.000 Plätze reichen würden? 

Zweifel daran sind begründet. Denn der Verein Frauenhauskoordinierung fordert sogar 14.000 neue Plätze, allein für Frauen. Kinderplätze kämen da noch zusätzlich dazu. Genauso wie der Ausbau von Beratungsangeboten. Denn nur so sei sicherzustellen, dass die Istanbul-Konvention in Deutschland TATSÄCHLICH umgesetzt werden kann.

Vollfinanzierung des Gewaltschutzes darf nicht an der Schuldenbremse scheitern!

Übrigens: Zum 1.1.2030 soll es einen Rechtsanspruch auf einen Frauenhaus-Platz für betroffene Frauen geben. Auch der Eigenanteil für die Unterbringung soll dann wegfallen. Doch bis dahin sind es noch knapp sechs Jahre.

Sechs Jahre! Dafür, dass wir diese Sicherheits-Ziele nicht bis Morgen erreichen wollen, sollten wir uns alle Schämen.

Es ist also höchste Zeit, mehr in den Gewaltschutz zu investieren – und zwar sofort!

1,4 Milliarden zu wenig für Frauen in Not

Aus der Studie des Familienministeriums geht ein Mehrbedarf von fast 400 Millionen Euro hervor. Die Forderung der Frauenhauskoordinierung bedeutet sogar 1,4 Milliarden Euro.

Ich finde: Besser kann man Geld nicht anlegen. Jeder Mensch, jedes Mädchen, jede Frau hat ein Recht auf ein Leben in Sicherheit. Und zwar ab heute.

Aber ob die dafür nötigen Mega-Investitionen kommen? Zweifel sind bei einem Finanzminister wie Lindner und Oppositionsführer Merz berechtigt. Familienministerin Lisa Paus (Grüne) soll sich in ihrem Ministerinnenentwurf aufgrund der angespannten Haushaltslage zügeln müssen, heißt es.

Ich antworte: DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!

Geld für Gewaltschutz darf gegen nichts abgewogen werden. Dass man das tatsächlich betonen muss, ist bitter. Aber CDU und FDP wollen die Schuldenbremse ja vor allem mit Kürzungen im Sozialetat einhalten.

Die Konsequenzen dieser unsolidarischen Politik stehen unter anderem im ersten Absatz dieses Textes.


Geschrieben von: Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker ist Teil der Revolte, Vorsitzender unseres Trägervereins und schreibt regelmäßig für unser rebellisches Magazin. Er wohnt die Hälfte der Zeit in Bochum und die andere auf Twitter (@jan_buehlbecker), Instagram (@buehlbecker), Facebook (@buehlbecker) und TikTok (@benutzername_jan). Hier ist er laut für Feminismus, Antifaschismus und Solidarität.