Wie Bonzen-Firmen uns um 130 Milliarden Euro bringen – Jedes Jahr!

Tarifflucht – Das klingt abstrakt, betrifft aber uns alle und vielleicht Dich ganz persönlich. Warum das so ist und was wir dagegen tun müssen, erklärt REVOLTE-Kolumnist Jan Bühlbecker.

Nur noch rund die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland profitiert von tarifvertraglichen Regeln!

Zu dieser bitteren Erkenntnis kommt eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die Beschäftigten, für die kein Tarifvertrag gilt, kostet das im Durchschnitt 844 Euro – JEDEN MONAT!

Hinzu kommt: würden alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt, würde das auch den öffentlichen Kassen Mehreinnahmen in Milliardenhöhe bescheren!

130 Milliarden Euro: Was uns Tarifflucht jedes Jahr kostet

Mehreinnahmen in Höhe von 130 Milliarden Euro!

Denn die heute vorgestellten “Tarifflucht-Bilanz” zeigt, dass die Beschäftigten bei einer flächendeckenden Tarifbindung rund 60 Milliarden Euro im Jahr mehr zur Verfügung hätten – mit entsprechenden Folgen für die Kaufkraft.

In die Sozialversicherung würden dadurch in Summe 43 Milliarden Euro mehr fließen.

Hinzu kämen 27 Milliarden Euro an Mehreinnahmen über die Einkommenssteuer. Selbst ohne Steuer-Reform.

Belastbare Quellen überführen Bonzen-Firmen

Der DGB stützt sich dabei auf vom Statistischen Bundesamt bereitgestellte Daten zu nach Tarif und nicht nach Tarif bezahlten Voll- und Teilzeitbeschäftigten und deren Verdiensten pro Bundesland.

Hintergrund: Als Tarifflucht wird der Versuch eines Unternehmens bezeichnet, einen bestehenden Tarifvertrag zu unterlaufen und so Löhne und Gehälter zu bezahlen, die niedriger als die tariflich vereinbarten sind. 

Das geschieht zum Beispiel durch den Einsatz von Leiharbeit oder die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. 

Hinzu kommt, dass für immer mehr Betriebe überhaupt kein Tarifvertrag gilt, zum Beispiel, weil die Unternehmen aus den zuständigen Arbeitgeberverbänden austreten. Etwa im Gastgewerbe, in der Unterhaltungsindustrie oder in der Landwirtschaft ist dieser schlimme Trend erkennbar.

130 Milliarden Euro! 844 Euro brutto pro Arbeitnehmer*in. 

Höchste Zeit für eine Tarifwende!

Damit muss JETZT Schluss ein!

Es braucht endlich ein Tariftreuegesetz. Öffentliche Aufträge würden dann nur noch an solche Unternehmen gehen, die nachweisen können, dass sie tarifgebunden sind. Billige Tarifbrecher könnten faire Firmen dann nicht länger bei öffentlichen Ausschreibungen ausstechen. Stattdessen müsste jede Firma, die irgendwie für den Staat und seine Institutionen arbeitet, mit den zuständigen Gewerkschaften Tarifverträge schließen.

Für den Bund hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ein solches Gesetz angekündigt. Noch in diesem Jahr will der SPD-Politiker aus auf den Weg bringen. 

Bayern, NRW: Auch Union-Männer müssen für eine Tarifwende sorgen

Doch ein Tariftreuegesetz des Bundes umfasst nicht die Bundesländer und Kommunen. Sie müssten eigene Tariftreuegesetze bzw. -regeln festlegen. 

Einige Bundesländer, wie Niedersachsen, Bremen und das Saarland, haben entsprechende Regelungen schon. Doch die beiden größten Bundesländer, NRW und Bayern, beide übrigens unionsregiert, zum Beispiel noch nicht.

Insgesamt entsprechen die öffentlichen Aufträge von Bund (300 Milliarden!) und Ländern (200 Milliarden) einem Auftragsvolumen von 500 Milliarden Euro – JEDES JAHR! Damit wirkt ein Tariftreuegesetz auch über den öffentlichen Sektor hinaus.

Tariftreue ist Standortvorteil

Die Sozialpartnerschaft ist ein Standortvorteil – sagen Politiker*innen gerne. Jetzt können sie zeigen, was ihre Worte wert sind.

Denn 60 Milliarden Euro Mehreinnahmen für Arbeitnehmer*innen wären die nach Corona, Krieg und Inflation DRINGEND benötigte Entlastung für viele Verbraucher*innen und ein IMMENSES KONJUNKTURPROGRAMM für unsere Wirtschaft.

43 Milliarden Euro mehr für die Sozialversicherungen würden die Rentenkasse entlasten und den Umbau der Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung finanzieren. Eine massive Hilfe für Ältere und ihre Angehörige.

Und mit 27 Milliarden Euro höheren Steuereinnahmen könnte man dauerhaft eine echte Kindergrundsicherung und das Deutschlandticket finanzieren. Booster für mehr Chancengerechtigkeit und eine nachhaltige Verkehrswende.

Das zeigt: Tarifflucht geht jede*n an!

Sie gehört bekämpft.

Von uns allen.


Geschrieben von: Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker

Jan Bühlbecker ist Teil der Revolte, Vorsitzender unseres Trägervereins und schreibt regelmäßig für unser rebellisches Magazin. Er wohnt die Hälfte der Zeit in Bochum und die andere auf Twitter (@jan_buehlbecker), Instagram (@buehlbecker), Facebook (@buehlbecker) und TikTok (@benutzername_jan). Hier ist er laut für Feminismus, Antifaschismus und Solidarität.